FREITAG, 24.11.2017 | 19.30 Uhr

Daniel Erdmanns Velvet Revolution (D/FR/GB)

Die Musik von Velvet Revolution, dem neuen Trio des Tenorsaxophonisten Daniel Erdmann, ist ein starkes Statement – kräftig und zugleich sensibel, mit Sinn für feine Nuancierungen, aber auch mit Schwung, gelegentlich gar mit Wucht.

Während sich vielerorts wabernde Innerlichkeit und kunstgewerbliche Beflissenheit breitmacht, kommt hier wieder etwas zum Vorschein, was die Triebkraft des Jazz ausmacht: Der Drang zur Mitteilung.
Was außerdem aufhorchen lässt und einen hineinzieht, ist der Gestus, die Sprachnähe, das Erzählende, das Rhapsodische.

Erdmanns Stücke sind kompakt, manchmal auch komplex und in ihren Formen für die Beteiligten frei begehbar. Das Thematische – im musikalischen wie im gedanklichen Sinne – bildet den Bezugsrahmen. Daniel Erdmann bekennt sich zum Melodischen. Und das ist oft viel schwieriger, als sich hinter einer Materialexegese zu verstecken, weil die Einfälle und die Aussagen stark sein müssen. Er webt sie ein in das Stimmengeflecht mit Violine bzw. Bratsche und Vibraphon – eine Triokonstellation, die es ermöglicht, rhythmische oder harmonische Aspekte wechselweise untereinander aufzuteilen, miteinander zu verschränken oder zu verdichten.


Iiro Rantala & Ulf Wakenius (FIN/S)

Iiro Rantala und Ulf Wakenius trafen sich zum ersten Mal bei einem gemeinsamen Projekt in der Berliner Philharmonie. Daraus entstand spontan der Gedanke eines gemeinsamen Duos, welches seine Premiere dann in Skandinavien feierte.

Während der letzten Jahre ist Rantala, von der Jazzthing als „Naturereignis an den Tasten“ betitelt, in Deutschland zu einem der bekanntesten und beliebtesten Jazz-Pianisten aufgestiegen. Sein Solo-Album „Lost Heroes“ ist eines der populärsten Alben, ausgezeichnet u. a. mit dem „ECHO Jazz Award“ und als Schallplatte des Jahres. Mit der Lennon-Hommage „My Working Class Hero“ – wieder ein Solo-Album – hat der Finne im vergangenen Herbst einen weiteren Bestseller nachgelegt. Reduziert auf das Piano alleine versteht Rantala es wie kein anderer als Arrangeur, den musikalischen und emotionalen Kern der Vorlagen herauszuschälen.

Ulf Wakenius gilt nach Worten von Oscar Peterson als einer der großartigsten Gitarristen. Kein Wunder, Wakenius war jahrelang ständiges Mitglied in Peterson’s Quartett. Er verbindet ein ausgeprägtes Gespür für Rhythmen mit einem lyrischen Gefühl.

Gemeinsam setzten Iiro Rantala und Ulf Wakenius auf Melodie und Groove.


SAMSTAG, 25.11.2017 | 19.30 Uhr

Ramón Valle & Orlando „Maraca“ Valle (NL/C)

Die Cousins Orlando „Maraca“ Valle und Ramón Valle treffen nach mehr als 20 Jahren aufeinander, um gemeinsam Musik zu kreieren und aufzunehmen. Mit dem Duo erfüllen sich die beiden kubanischen Musiker ihren sehnlichsten Wunsch, Musik zu spielen, die von den zwei einflussreichsten afroamerikanischen Quellen inspiriert ist: Jazz und kubanische Musik.

Mit der dabei entstandenen CD „The Art of Two“ haben sie ein Meisterwerk geschaffen, mit dem sie international auf Tour gehen. Die beiden Musiker gelten als zwei der talentiertesten und lebhaftesten Interpreten der modernen kubanischen Musik, beide sind mit exquisiten improvisatorischen Fähigkeiten ausgestattet auf einer soliden handwerklichen Basis der klassischen Musikausbildung.

„The Art of Two“ ist ein Dokument der gegenseitigen Bewunderung und des Respekts zwischen zwei Musikern. Es ist die Wiedervereinigung zweier Cousins und Freunde, die sich nach langer Zeit, die sie in unterschiedlichen Ländern verbracht haben treffen, um ihre musikalischen Erfahrungen als Künstler zu kombinieren.

Gemeinsam überschreiten sie die Grenzen der Genres und statten Stil und Format der afroamerikanischen Tradition mit der höchsten Freiheit aus. Melancholische Melodien, ein wesentliches Element der kubanischen Musiktradition, stehen in einem willkommenen Kontrast zu dem heutigen Sound.

Orlando Valle war Mitglied der international erfolgreichen kubanischen Band Irakere.


Stucky – Doran – Studer – Jordi: Hendrix! (CH)

„When things get too heavy, just call me helium, the lightest known gas to man.“ Jimi Hendrix ließ den Satz in seinem letzten Interview fallen, eher beiläufig, mit einem Lächeln auf den Lippen. Am 11. September 1970 klagte der Gitarrist gegenüber dem Journalisten Keith Altham darüber, dass alles mittlerweile so kompliziert, so schwer wäre. Deshalb wolle er eigentlich wie Helium sein, jenes Gas, das siebenmal leichter ist als Luft. Nur eine Woche später flog Hendrix tatsächlich davon, leicht wie Heliumballon, mitten hinein in die Unendlichkeit.

„This man really was a gas!!!!!!“, adelt ihn die Sängerin Erika Stucky fast 45 Jahre später unter euphorischer Betonung der sechs Ausrufezeichen, wobei das Wörtchen „gas“ in dem Zusammenhang auch mit „Spaß“ oder „Genuss“ gleichgesetzt werden kann. Mit dem Gitarristen Christy Doran, dem Drummer und Perkussionisten Fredy Studer und der E-Bass-Legende Thomy Jordi setzt sie nach genau einem Jahrzehnt den Bau eines klingenden Denkmals für Hendrix fort. Die drei Schweizer haben dafür 2005 mit der Live-CD „Jimi“ schon einen bemerkenswerten Grundstein gelegt.
Auf keinen Fall ging es der eidgenössisch-amerikanischen Allstarband darum, das Werk des Meisters kompliziert zu verjazzen, vielmehr versuchen sie den Spirit und die Energie seiner Musik rüberzubringen, mit der Erfahrung heutiger Musik.

Vieles klingt hier zwar ziemlich original, doch im Prinzip ist alles anders. Die Crux der wiederauflebenden Hendrix-Hommage liegt in den liebevollen Details, in winzigen Brüchen, die eine völlig andere, individuelle Erfahrungswelt in diese Musik einkehren lassen und den Bezugsrahmen leicht, aber unverkennbar verschiebt. Wer „Call me Helium“ nur als Nostalgietrip zurück in die seligen Woodstock-Zeiten wahrnimmt, der übersieht, dass Doran, Stucky, Studer und Jordi im Prinzip dem Visionär Jimi Hendrix huldigen. Auf ihre ureigene Art geben sie dessen vielfältigen musikalischen Ideen auf der Schnittstelle zwischen der großen Bühne des Pops und dem gedimmten Kellerlicht der modernen Avantgarde kräftig die Sporen.